Versuch einer Autobiographie und gitarristische Schriften

Was wir über sein Leben oder seine Gedankenwelt wissen, hat uns Fernando Sor zumeist selbst überliefert. Alle Lebensbeschreibungen beruhen auf dieser einfachen Tatsache, die aber noch kein Verfasser ausdrücklich zugegeben hat. Von daher stammt der Grundgedanke dieses Buches: Sor aus seinem Leben erzählen, ihn seine Ideen in eigenen Worten vortragen zu lassen.

Die Möglichkeit, dieses Leben gleichsam mit seinen Augen sehen zu können, hat der Nachwelt Sor selber eröffnet. Denn in seinen letzten Lebensjahren begnügt er sich nicht mehr mit Spielen oder Komponieren, er schafft oder ergreift immer wieder Gelegenheiten, um als Schriftsteller in Aufsätzen, Vorworten, vor allem aber in seiner Gitarrenschule, Erlebnisse, Gedanken und biographische Einzelheiten festzuhalten.

Sor hatte, solange er in seiner spanischen Heimat leben konnte, die Musik nur zum Vergnügen betrieben. Bis 1813, d. h. bis zu seinem 35. Lebensjahr ist er - nach seinen eigenen Worten - ein Amateurmusiker gewesen, der komponierte und verschiedene Instrumente beherrschte. Da er in den politischen Wirren um den Aufstieg und Fall Napoleons mit eindringenden Franzosen zusammenarbeitet, muß Sor seine Heimat mit ihnen für immer verlassen. In Paris angekommen, beschließt er, sein Geld von nun an mit dem zu verdienen, was ihm bisher reiner Zeitvertreib war - mit der Musik! Erst am Beginn dieses Lebensabschnitts wird aus dem Amateur ein Berufsmusiker. Er versucht er sich abwechselnd als Komponist, Sänger, Konzertist, Autor und Musikverleger und hat daneben als Musiklehrer Unterricht im Gitarren- und Klavierspiel, in Harmonielehre und Gesang gegeben.

Obwohl er durch äußere Umstände Musiker und Berufsgitarrist geworden ist, hat Fernando Sor - mehr aus den Erfordernissen des Augenblicks als aus eigenem Antrieb - ein Gitarrenwerk hinterlassen, das im dritten Jahrhundert nach seinem Tode immer noch seinesgleichen sucht in der Literatur des Instrumentes.

Ich, Fernando Sor
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